Gespräch mit Barbara nach ihrer UNVERSTELLT-Session bei mir im Studio
Ich bin Barbara, ich bin 50 geworden dieses Jahr.
Was war deine Motivation diese Session jetzt für dich zu machen?
Seit zwei Jahren ungefähr mach ich so eine Veränderung durch. Also ich kann wieder anknüpfen an mein studentisches Ich, an die Zeit wo ich Kunst gemacht hab, ich veränder mich und das will ich festhalten. Das ist mir ganz wichtig, darstellen zu können, wie ich bin jetzt. Weil ich bin nicht mehr so wie ich vor 12 Jahren war – da hab ich das letzte Mal so eine Portraitsession gemacht und das war auch sehr sinnvoll und schön. Aber ich bin draufgekommen innerhalb der letzten 10-12 Jahre war eine Veränderung und das wollte ich bildlich festhalten und ich wollte es auch mit einer Frau festhalten, die diese Situation kennt, beobachtet und auch mit der arbeitet.
Also es war schon so, ich merk, dass das so Thema ist bei Freundinnen, Kolleginnen, Bekannten, also Frauen in meinem Umfeld. Wenn die in das Alter kommen, die verändern sich und das ist ganz unterschiedlich. Und von denen, wo ich das nie gedacht hätte finde ich plötzlich Berührungspunkte (…)
Ich hab eigentlich nie das machen können, was ich machen wollte. Ich hab für Kinder verzichtet und bin ins Unterrichten gegangen und meine künstlerischen Projekte waren nie Thema. Ich hab Geld verdienen müssen. Und jetzt trau ich mich – jetzt endlich. (…) Jetzt ist genau die Zeit für Veränderungen und ich seh das vor allem positiv.
Jetzt ist die Zeit, wo ich mal dran bin. Ich hab drei Kinder großgezogen, ich hab eben Geld verdient aber mit etwas, was ich gar nicht so machen wollte. Das war natürlich ein Weg. Da wo ich jetzt bin, da wär ich nicht ohne Kinder, ohne die Karriere in der Werbung, Ausstellungsdesign – es waren immer so verwandte Sachen aber nie das, was mich wirklich berührt hat, was mich wirklich interessiert hat. Und jetzt seh ich die Chance, dass ich das machen kann und das wollte ich mit Fotos darstellen, die verschiedene Aspekte auch zeigen von mir. Ich seh mich total vielseitig – ich kann an mein junges Ich wieder anknüpfen, was ich lange nicht hatte. Und ich war Vollblutmama – ich hab das geliebt, die Mama-Rolle (…) und das war auch richtig und gut, ich bereue nichts.
Aber Fakt ist, dass ich jetzt woanders bin und jetzt hab ich die Chance, dass ich einen neuen Ort gefunden hab, wo ich das mehr machen kann und nicht immer nur unterrichten muss. Du gehst so aus dir raus, du erzählst immer so viel von dir und von dem, was du gemacht hast…Aber was hast du gemacht, wenn du dann immer nur unterrichtest und immer nur aus dem selben schöpfst? Und unterrichten ist auch anstrengend. Ich mach’s nach wie vor gern aber ich werde es sehr reduzieren und wieder mehr in meine Kreation gehen, in meine Schöpfung. Ich will wirklich künstlerisch arbeiten wieder. Und deshalb seh ich so eine Fotosession als Chance, dass ich mich wieder sammeln kann und das in mehreren Bildern darstellen kann, was ich bin. Weil ich bin so vieles – ich bin nicht nur die Mama – die werde ich immer sein, und ich bin nicht nur die Geliebte – ich werde immer lieben. Ich kann so viele andere Sachen ausdrücken. Und ich hab jetzt das Gefühl, dass ich so bin, wie ich bin. Und das ist super.
Ich möchte nicht mehr zwanzig sein, mit all diesen Unsicherheiten. Jetzt weiß ich mehr, wer ich bin und was ich machen will, wie ich leben will, ich bin viel sicherer in meinem Körper. (…)
Früher war er perfekt, würd ich sagen und jetzt ist er lang nicht mehr perfekt und muss auch nicht perfekt sein, sondern jetzt ist so eine Sinnlichkeit und ein tolles Spüren. (…)
Was bedeutet Sichtbarkeit für dich?
Ich hab das gar nicht, dass ich nicht sichtbar bin, wobei ich auch anders bin. Früher hätt ich mir das nicht angetan mit den Haaren, diese Färberei und so. Da war ich wahrscheinlich eher bodenständig und da waren wahrscheinlich andere Themen wichtiger und jetzt ist das schön. Na sicher zieh ich die Fuchsjacke an von der Mama – die Alte, das ist auch so ein Eyecatcher.
Ich fühl mich sehr sichtbar und ich merk auch die Frauen in meinem Umfeld, die verändern sich auch alle, also für die ist das Thema. Aber wahrscheinlich sind wir in dieser Kultur-Kunst-Blase, wo wir genau das thematisieren. Wir haben grundsätzlich keine Jobs, wo wir rausrationalisiert werden sondern das war immer ein Spannungsfeld: Wie kann ich mein Geld verdienen? Was kann ich machen? Welchen Teil meiner Kreativität kann ich einsetzen für was. Es war immer undefiniert und dadurch fällt das nicht so auf. (…)
Diese jugendliche Energie werde ich mir bewahren.
In dem Umfeld, in dem ich mich befinde – Freunde, Familie – da waren immer starke Frauen, die das zum Thema hatten. Es ist nicht ganz so rosig – manchmal treffe ich Frauen, die sind jünger und jammern nur.
Was schon cool ist, dass es ähnliche Frauen gibt. Wenn man darüber spricht, dann findet man Gleichgesinnte und dann fügt es sich. Es entsteht gerade viel.
Ich glaub, ich hab eine gewisse Gelassenheit jetzt gelernt und das tut mir gut, aber schauen wir in zehn Jahren, was ich dann sag. (…)
Jetzt hab ich coole Fotos und jetzt kann ich mich wieder zeigen, jetzt kann ich rausgehen – das fügt sich dann.
Möchtest du mehr über die UNVERSTELLT-Sessions erfahren. Dann hol dir weitere Infos mit diesem Link

