Interview mit Magdalena nach ihrer UNVERSTELLT-Session
Warum bist du heute da und was war deine Motivation, dich jetzt fotografieren zu lassen?
Es hat sich mein Leben in den letzten Jahren insofern stark verändert, als dass ich sehr entschleunigt worden bin. Und durch das Entschleunigen angefangen hab, deutlicher hinzusehen und draufgekommen bin, dass es Aspekte in meiner Persönlichkeit gibt, die ich noch gar nicht lebe. Das ist sicher das sehr weibliche, das ist sicher das Exotische – ich bin Halb-Kubanerin und Halb-Polin, das macht es nicht leichter. Und ja, das ein bisschen Wilde.
Und unabhängig davon wie das Außenbild ist oder wie man reagiert auf mich, einfach zu mir zu stehen und zu meinem Wesen zu stehen und da wollte ich etwas herausfinden. Und das hat sich in den letzten Monaten einfach sehr verstärkt und dann wäre ich nicht von selber auf die Idee gekommen. Ich hab deinen Newsletter gelesen und war im Kopf jetzt überhaupt nicht bereit aber emotional so sehr, dass ich ein starkes Bedürfnis hab, dass es rausmöchte. Während unseres Vorgesprächs und auch durch den Vorbereitungsfragebogen hat etwas in mir zum Arbeiten angefangen, das eigentlich beinahe schon Früchte trägt. Wo ich mir im Alltag jetzt schon mehr selber zuschau und zuhorch’ als bis jetzt, so eine Art Awareness-Kick irgendwie.
Das heißt, es ist vor dem Shooting schon ein Changing-Moment dagewesen, der dieses Entwicklungsbedürfnis katalysiert hat irgendwie und rausgebracht hat.
Ich hab mich auf heute gefreut und ich hab heute währenddessen (Anm. während des Shootings) mit Freude wahrgenommen, dass sich was tut, dass sich was tut in mir, dass mir hilft, dass es sich echter anfühlt, als das wie ich mich heute morgen in der Straßenbahn gefühlt hab.
Was bedeutet für dich Sichtbarkeit für Frauen ab 50? Ist das für dich persönlich ein Thema?
Mich persönlich betrifft es nicht so stark, ich bin jetzt 55 und werde heuer 56. Ich bekomme immer noch Aufmerksamkeit. Ich hab nur in Bezug auf andere Talente festgestellt, dass ich durchaus schubladisiert werde. Ich war das „sprudelnde Ideenfeuerwerk“ – das Jugendliche – bis in die späten 40er und jetzt werde ich schön langsam so ein bisschen die „komische Alte“ , vom Bühnenfach her.
Ich sehe aber, dass gesellschaftlich das Verschwinden… ich sehe, dass im öffentlichen Raum die Vorbilder bis 30 sind – optische. Und dass man sobald man eine ältere Person zeigt, sich dafür entschuldigt oder den Kontext sehr genau erklären muss, z.B. da geht es um Versicherungen für Pensionisten und die Dame ist grauhaarig. Es gibt sonst auch Kampagnen die sehr junge Frauen zeigen mit Themen, wo ich mir denke, das betrifft sie gar nicht: Warum muss die eine Anti-Falten Creme nehmen, die ist 16 1/2. Das ist das eine.
Das andere, es gibt eine Kampgagne, die mich ziemlich aufgeregt hat, die vor kurzem plakatiert worden ist: „Sexy, nicht sorry“ und ich hab mir gedacht: warum nicht einfach sexy? …..
Die Erfahrung einer 60 Jährigen, ist die was wert? Während Silberrücken noch mehr Geld bekommen für Consulting, wenn sie eine gewisse Erfahrung haben. Ich finde, dass es auf einem sehr kosmetischen Niveau passiert, so wie eben das „sexy, not sorry“ Es ist eher so ein Augen auswischen. Und auch das besonders darauf hinweisen. Wenn jemand zu mir sagt: „Du für deine 55 brauchst eh nicht mitreden, wenn es um das Abnehmen geht.“ Ich denk mir, ich sag grundsätzlich, dass man sich nicht traurig hungern sollte. Es ist vollkommen wurscht, wie meine Knie ausschauen. Oder so Aussagen wie: Für dein Alter schaust eh passabel aus.
Wie ist es dir gegangen, als du die Fotos jetzt gesehen hast?
Ich war überrascht, wieviel Ausdruck da ist. Ich war überrascht, dass ich mich hübsch finden kann und was verschiedene Outfits und verschiedene Bilder, die wir gemeinsam entworfen haben um mich emotional wo reinzuführen. Dass das so schnell und so gut funktioniert hat. Dass die Musik das ganze verwandelt hat.
Ich war auch überrascht, dass ich mich so einlassen hab können, weil das beim Betrachten der Fotos klarer wird als während des Fotografierens.
Weil ich weiß, dass ich es so empfunden hab, aber, dass man das so sieht, hab ich nicht geglaubt. Dass das so nach Außen dringt. Und man hat auch die Veränderung gesehen. Wir sind jetzt da ein paar Stunden beieinander gewesen. Am Anfang war ich steif und in mir noch und gehemmt, vielleicht nicht schüchtern aber gehemmt und kontrolliert. Und dann am Schluss gar nicht mehr.
Und ohne schön sein zu müssen, ohne jemand anderen, der erotisch interessiert sein könnte, genau dort abzuholen. Weil darum geht es laut Zeitgeist immer noch. Die Definition von Schönheit ist sexuell attraktiv zu sein.

