Interview mit Gudrun nach ihrer UNVERSTELLT-Session bei mir im Studio
Ich heiße Gudrun, ich bin 54 Jahre alt.
Was war deine Motivation, dich jetzt fotografieren zu lassen?
Meine ursprüngliche Motivation war, dass ich auf der Homepage mein altes Foto gesehen habe und ich mir gedacht hab: Das gehört jetzt wieder erneuert.
Und die zweite Motivation war dann deine Aktion, die ich auf LinkedIn gesehen habe, dass du ganz bewusst 50+ Frauen suchst, um sie mehr ins Licht zu rücken. Die Aktion hat mir gut gefallen und ich hab mir gedacht: Probierst du es halt mal aus und nimmst quasi für die Homepage das Foto noch so nebenbei mit, letztendlich. Und es war dann auch so.
Deswegen war ich im Vorgespräch – das hast du ja wahrscheinlich auch ein bisschen gemerkt – etwas unentschlossen, was will ich jetzt. Einerseits hab ich gesagt ich möchte die Businessfotos haben und andererseits – nö, auch mal jetzt so schöne Fotos und nicht nur so Urlaubsfotos, wo man vielleicht auch mal ein bisschen besser getroffen ist, sondern so richtig professioneller auch – für was auch immer ich das dann verwende. Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht.
Was bedeutet für dich Sichtbarkeit als Frau 50+? Hat sich das verändert aus deiner Sicht? Wie siehst du das persönlich und wie im Allgemeinen?
Ich finde 50+ ist in der allgemeinen Wahrnehmung so ein undefinierbares Alter. Eigentlich wird man als älter, z.B als Kunde für Produktentwicklung, angesprochen- immer älter gemacht, als man ist. Eigentlich ist man viel jünger aber man ist auch keine 30 mehr. Dieses dazwischen – das fängt eigentlich schon mit 40 an, so zwischen 40 und 60. Die Frauen, die jetzt im vollen Schaffen stehen. Entweder die, die Kinder haben, wo die Kinder schon aus dem Haus sind oder größer sind und ihren Weg machen. Und auch die ohne Kinder, die halt eigentlich jetzt voll drinnen sind. Gerade wenn man studiert hat, geht einem ja doch so zwischen 20 und 30 die Zeit, naja nicht verloren aber – die wird anders verwendet, als wenn man mit 18 schon zum Arbeiten anfängt.
Ich für mich finde ab 40 ging es für mich auch beruflich so richtig los, wo ich gesagt hab: Ok, jetzt hab ich eine gute Basis. Jetzt starte ich so richtig durch und warum soll das jetzt mit Mitte 50 vorbei sein?
Und die Vorstellung, dass ich in zehn Jahren in Rente gehen könnte finde ich auch ganz seltsam, weil zehn Jahre ist nix. Die letzten zehn Jahre sind verflogen wie nur und ja, ich bin selbständig, ich werde sicher noch länger arbeiten als bis 65. Ja und ich finde das ist so ein Zeitraum, diese zwanzig Jahre, da existiert man nicht mehr, außer es wird gesagt: „Wow, die schaut noch toll aus – aber warum noch? Ich finde es gibt auch genug auch noch ältere Frauen, die nach wie vor toll ausschauen und ich finde da ist so ein Wandel drinnen.
Wenn ich mir die Fotos meiner Eltern, bzw. meiner Mutter anschaue, wo sie so alt war wie ich, ist sie auf den Fotos eigentlich eine alte Frau. Und so fühle ich mich jetzt nicht, wie ich meine Mutter damals gesehen hätte.
Wie gesagt, es geht jetzt gerade erst richtig los. Ich kann mein Leben jetzt selber gestalten: die Ausbildung ist vorbei, Basisgründung, finanziell auf die Beine gestellt und jetzt kann man eigentlich so richtig starten mit dem Luxus auch der freien Zeiteinteilung.
Für mich ist freie Zeiteinteilung ein ganz großer Luxus. Das hatte ich viele Jahre nicht, weil ich im Schichtdienst gearbeitet habe und jetzt erst so die letzten Jahre: Ich kann mir meine Zeit selber einteilen und ich finde das ist ein Luxus schon auch des Älter werdens. Zeit haben – Zeit nehmen – Zeit frei einteilen. (…) Das ist meine persönliche Errungenschaft mit 50.
Jetzt wo du die Fotos gesehen hast, wie ist es jetzt für dich?
Schön – Ich bin wirklich erstaunt, dass das so gute Fotos geworden sind und das eigentlich auch gar nicht – wo du jetzt gesagt hast, das wird noch bearbeitet. Wo ich mir im ersten Moment gedacht habe: ja, ein paar Kleinigkeiten. Aber eigentlich muss man da jetzt nicht viel bearbeiten. Ich gefall mir so – ich finde mich nicht wahnsinnig fotogen, muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt ab und zu ein paar gute Fotos, wo ich mir denke das ist gut gelungen. Sonst finde ich das nicht so und da bin ich jetzt doch erstaunt, dass das so viele Fotos waren, die mir gut gefallen haben.
(…)

