Ich habe Editha nach ihrer UNVERSTELLT-Session bei mir im Studio einen Fragebogen geschickt und das sind ihre Antworten:
Das bin ich:
Editha, 55 Jahre alt, Autorin, Gärtnerin, neugierig.
Was bedeutet für dich, ganz persönlich, Sichtbarkeit? Und hat sich das im Laufe der Jahre für dich verändert?
Sichtbar zu sein, war und ist für mich lebendig zu sein. Ich bin sicher, dass sich das für mich über die Jahre hinweg verändert hat, aber beschreiben könnte ich das nur vage. Was ich immer deutlicher spüre, ist ein Gefühl des Augenblicks, den ich lebe und den ich schätze. Es klingt banal, aber um so weniger Jahre vor einem liegen, um so kostbarer erscheinen sie. Mir geht es da wie vielen anderen Menschen auch. Ich habe mich immer sichtbar gefühlt, was zweifellos mit meiner beruflichen Entwicklung zusammenhängt, aber so sichtbar im Mittelpunkt wie in der Fotosession hab ich mich noch nie erlebt.
Wie nimmst du Sichtbarkeit für Frauen ab 50 in der Gesellschaft wahr?
Über diese Frage habe ich bisher nie nachgedacht. Mein ganzes Leben lang habe ich mich immer sehr für Frauen interessiert, ob es nun historische Frauenpersönlichkeiten oder Frauen aus meiner Zeit und Umgebung waren. Ich wollte immer wissen, wie Frauen leben, arbeiten, sich insbesondere in schwierigen Zeiten entwickeln. Was ich darüber gelernt habe, wollte ich teilen, mich mit anderen darüber austauschen und mich selbst daran orientieren. Meine Bücher über Frauen, die vor allem in der Gartenkultur als Fördererinnen, Gärtnerinnen oder Schriftstellerinnen gewirkt haben, sind meine Versuche, Frauen sichtbar zu machen.
Was war deine Motivation die UNVERSTELLT-Session jetzt für dich zu machen?
Auf Marias UNVERSTELLT-Session bin ich ganz zufällig gestoßen und war sofort erfasst von dem Ausdruck, den die Frauen auf ihren Fotos vermittelt haben. Diese Frauen waren so gelöst, so bei sich selbst und so eindrucksvoll in der Erscheinung. Das hat mich erfasst, berührt und so habe ich in mir den Wunsch gespürt, so eine fotografische Begegnung einmal selbst zu erleben. Es ging mir weniger um die Fotos von mir, als um diese fotografische Interpretation. Ich war einfach neugierig und fasziniert.
Was waren deine ursprünglichen Erwartungen an deine Portraitsession?
Auf die Portraitsession habe ich mich richtig gefreut, ich wollte das einfach einmal erleben. Meine Erwartungen waren eher davon bestimmt, den Moment zu genießen und zu schauen, was passiert. Das war wie eine kleine Reise aus dem Alltag. Da ich wusste, dass eine Visagistin mich vorbereitet, und Maria mir in unserem Gespräch schon berichtet hatte, dass sie mich durch die Session führen wird, war ich gelöst und neugierig. Das war schon ein herrliches und aufregendes Gefühl Tage vor dem Termin und auch bei der Anreise.
Das Fotoshooting war für mich:
Für mich war das Fotoshooting ein Erlebnis, eine wunderbare Erfahrung, die ich nun nicht mehr missen möchte. Irgendwie hat mich das sehr inspiriert und zum Nachdenken über das Leben in einer anderen Perspektive angeregt. Dass das Leben kurz ist, ist mir erst seit einiger Zeit so deutlich bewusst. Damit beschäftige ich mich manchmal viel zu sehr, wie ich finde. Gerade darum möchte ich Momente wie diesen wahrnehmen und einfach mal etwas ausprobieren, wo ich selbst nicht aktiv sein muss. Es ist keine Anforderung an mich, es gibt keine Aufgaben, ich darf einfach nur da sein. Das schenkte mir ein Gefühl der Ruhe, der Gelassenheit und vielleicht ein wenig die Illusion, einen Moment festzuhalten. Irgendwie war es auch ein Traum, einfach mal loslassen und zulassen. Es war allerdings schon komisch, dass es auf einmal so um mich ging. Da gab es schon emotionale Momente, wo ich dachte, was passiert jetzt, da bin ja ich im Fokus.
Wenn ich die entstandenen Bilder betrachte, sehe ich…..
… mich, aber irgendwie auch einen anderen Menschen. In erster Linie ist es für mich eine künstlerische Ausdrucksform meiner selbst. Es ist eine Mischung aus Staunen und Freude beim Anblick, auf jeden Fall ein Vergnügen und eine einprägsame Erinnerung an einen Tag im Fotostudio. Ich gehe sehr gerne in Galerien und interessiere mich speziell für Darstellungen von Frauen und für Künstlerinnen. Viele Künstlerinnen faszinieren mich, etwa Angelika Kauffmann, Élisabeth Vigée-Lebrun, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Lotte Laserstein. Gewiss, Fotografien sind eine andere Ausdrucksform als Gemälde oder Zeichnungen, doch für mich erinnern mich die Fotografien von dieses Fotosession an die Auseinandersetzung mit der Darstellung von Frauen.
Das ist mir noch wichtig:
Sehr wichtig ist es für mich danke zu sagen. Anna hat mich feinfühlig geschminkt und frisiert, denn ich wollte sehr gerne möglichst auf natürliche Art und Weise zu sehen sein. Maria ist mir mit viel Vertrauen und Geradlinigkeit begegnet und hat mir durch ihre Fotografien einen anderen Blick auf mich selbst eröffnet. Schon der erste Moment als ich zur Tür herein kam und beide mich angelächelt und begrüßt haben, gab mir das Gefühl, hier bin ich heute am richtigen Ort. Von da an wirkte alles sehr unkompliziert, ja regelrecht vertraut auf eine Weise, wie ich es unter Frauen schätze und oft auch erlebte. Danke!

